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Meine Rede zur 8. März Demo beim United We Care Demoblock

Als Queerfeministin von Queermany Berlin im Demoblock über Trans, Neurodiversität mit Aspekten von Hochsensibilität und queerfeministische Zusammenhänge. Mein Plädoyer für einen Aktivismus, der keine Gesundheit mehr opfert: Über den Aufbau von vier Ortsgruppen, die Lehren aus dem autistischen Burnout und warum der Schutz unserer Basis die Voraussetzung ist, um dauerhaft als Fels für die Freiheit aller zu kämpfen.

Hallo Berlin! Ich bin Penelope Alva Frank von Queermany.

Ich stehe heute im Gesundheitsblock „United We Care“. Denn eines muss klar sein: Gesundheit ist kein privates Schicksal – Gesundheit ist eine harte Machtfrage. Es geht darum, wer in dieser Stadt sicher und autonom existieren darf und wer durch Barrieren zermürbt wird.

Gesundheit ist nicht nur die Frage, ob wir irgendwann einen Termin beim Arzt bekommen. Gesundheit ist die Frage, ob wir in dieser Stadt sicher, würdevoll und ohne permanente Überforderung leben können. Für uns Lesben, trans, inter und nichtbinäre Menschen ist das Gesundheitswesen noch immer viel zu oft kein Schutzraum, sondern ein Ort der Unsicherheit.

Das Wissen fehlt, die Wartezeiten sind absurd, und Behandlungen werden oft wie Luxus behandelt, obwohl sie für unsere psychische Stabilität und Würde überlebenswichtig sind. Diese Belastung beginnt nicht erst in der Praxis. Sie beginnt morgens vor dem Spiegel. Sie beginnt bei der Dysphorie, beim täglichen Kampf gegen Widerstände im eigenen Körper.

Es ist eine staatliche Unterlassungssünde, wenn wir für lebensnotwendige OPs – wie Brust-OP – durch entwürdigende bürokratische Marathons rennen müssen, nur um am Ende vor männlichen Gutachtern zu stehen, die sich anmaßen, über unsere intimste Wahrheit zu urteilen! Wenn die Suche nach transfreundlichen Hautärztinnen für die Haarentfernung in der Nähe fast nur Männer ausspuckt, werden lesbische und trans Frauen faktisch von der Versorgung ausgeschlossen! Das ist eine gezielte Verletzung unserer Grenzen durch männliche Deutungshoheit. Wir fordern das Recht auf Auswahl und geschlechtsspezifische Sicherheit!

Wir müssen über neurodiversitätsgerechte Versorgung sprechen!

Barrierefreiheit heißt 2026: Digitale Autonomie in Echtzeit! Schluss mit dem Telefonterror und den Warteschleifen. Echte Barrierefreiheit bedeutet: Reizarme Wege. Wir fordern Terminbuchungen in Sekunden – per Klick, ohne Rechtfertigung, mit voller visueller Transparenz darüber, wer uns behandelt. Diese Kontrolle ist kein Luxus – sie ist lebensnotwendiger Schutz für ein Nervensystem, das Vorhersehbarkeit braucht, um überhaupt teilzuhaben!

Dieser Stress endet nicht an der Praxistür. Er eskaliert im Nahverkehr. Während U-Bahnen noch halbwegs fahren, erleben wir bei Bussen und Straßenbahnen das totale Chaos. Wir leben in der Bundeshauptstadt – warum funktioniert hier eigentlich nichts? Die oft gefeierte „Berliner Mentalität“ ist in Wahrheit oft einfach nur neurodiversitätsfeindlich. Unvorhersehbarkeit ist für uns kein Ärgernis, sie ist ein massiver Stressfaktor! Mobilität muss reizarm sein und somit vorbildlich funktionieren, damit Gesundheit nicht schon an der Haltestelle endet.

Aktivismus darf keine Gesundheit opfern! Ich sage das aus eigener Erfahrung: 2025 haben wir Queermany aufgebaut, Proteste organisiert, eine Kampagne gegen das Sonderregister getragen und danach noch vier Ortsgruppen hochgefahren. Doch in einer teils anstrengenden Vernetzung und in einem getriebenen statt vorausschauenden Protestmodus habe ich einen massiven autistischen Burnout erlitten. Und ich habe dabei fast übersehen, worauf es im Leben wirklich ankommt: für die wichtigsten Menschen da zu sein. Erschöpfung ist kein Ehrenabzeichen. Wer immer für die Rechte anderer kämpft, aber die eigene Gesundheit und das Wichtigste im Leben im Chaos verliert, hat irgendwann nicht mehr die Kraft, ein Fels für andere zu sein.

Wir müssen aufhören, körperliche Realitäten – von neurodivergenter Reizüberflutung bis zu Periodenschmerzen – als „Privatsache“ abzutun. Und ja: Ich bin eine Transfrau und ich denke Feminismus als Queerfeminismus immer übergreifend. Deshalb kann ich auf keiner Demo nur über trans Themen sprechen, als wäre alles andere davon getrennt. Das ist es nicht. Alles hängt zusammen. Nur wenn Menschen ihre Grenzen schützen können, nicht vom System übergangen, sondern getragen werden, können sie langfristig für die Freiheit aller kämpfen.

Und genau deshalb bringen wir diese Grenzen jetzt ins Gesetz! Unsere Antwort ist die Berlin-Petition (Link): „Berlin gehört uns allen! Stoppt die Verdrängung von FLINTA & Queers“ Wir fordern die Wohnungswende für 2.500 FLINTAQ*-Wohnungen jährlich, echte Macht für Community-Beauftragte, sichere Mobilität mit FLINTA*-Abteilen und Außenring-Vision voranbringen.

Wir wollen nicht nur unter Stress überleben, sondern in Würde und Autonomie leben. Berlin gehört uns allen! Und wir geben diese Stadt nicht kampflos auf! Vielen Dank!